Selbstmordgefahr (Kinder und Jugendliche)

Nicht selten sehen depressive Menschen, Kinder wie Erwachsene, nur noch einen Ausweg – den Tod. Kleinkinder sind zumeist nicht in der Lage sich umzubringen, aber das Risiko besteht dennoch. V.a. sollte man daran denken, wenn sich waghalsige Unternehmungen mit Eigenverletzungen häufen. Es ist erwiesen, dass etwa 75% der Jugendlichen, die durch einen Selbstmord ums Leben gekommen sind, bereits als Kind Selbstmordversuche unternommen haben.

Kinder und Jugendliche, die selbstmordgefährdet sind, haben oft ähnliche Vorgeschichten:  

  • Psychische Störungen in bis zu 90%
  • Depressionen in 2/3 der Fälle (Zunahme mit Beginn der Pubertät)
  • In bis zu 50% dissoziales Verhalten
  • Substanzmißbrauch
  • Angststörungen
  • Oft besteht in der Familie herrscht keinerlei Zusammengehörigkeitsgefühl
  • Sie erhalten keine Zuwendung, keinen Beistand oder Unterstützung
  • Die Eltern streiten ständig miteinander
  • Es besteht eine überwältigende Hoffnungslosigkeit
  • Sie haben keine Freunde
  • Sie ziehen sich zurück

Dennoch ist es meist sehr schwierig eine Depression zu erkennen. Zumal es in der Pubertät häufig zu ähnlichen Symptomen kommt, die entwicklungsadäquat sind. Nur 20% Jugendlichen mit Depressionen werden diagnostiziert und behandelt. Selbstmorde, die für Angehörige und Außenstehende äußerst überraschend und nicht nachvollziehbar erfolgen, sind nicht selten.

Oft begünstigen folgende Begleitumstände, die Selbstmordgefahr:

  • Andauernde Zwistigkeiten mit den Eltern, dem Freund bzw. der Freundin
  • Zurückweisung oder Bestrafung durch Menschen, die dem Jugendlichen nahe stehen
  • Missbrauchserfahrungen
  • Probleme in der Schule, Beruf
  • Negative Lebensereignisse
  • Ungewollte Schwangerschaft
  • Alkohol und Drogen, die die Hemmschwelle herabsetzen
  • Verlust des Arbeitsplatzes

Als Alarmsignal sind zu deuten:

  • Vorschläge oder konkrete Pläne der Selbstmorddurchführung
  • Sie finden einen Abschiedsbrief! In der Regel wird dieser Stunden oder auch Tage vor einem Selbstmordversuch geschrieben und so hinterlegt, dass er gefunden werden kann. Reagieren Sie unbedingt auf diesen Brief. Setzten Sie alles in Bewegung um Ihr Kind zu finden und setzen Sie sich mit einem Fachmann oder einer Klinik in Verbindung, damit in der Akutsituation Hilfe gewährleistet ist.
  • Wenn sich Ihr Kind vermehrt mit dem Tod auseinandersetzt oder mit Personen / Idolen auseinander setzt, die sich selbst umgebracht haben.
  • Die Isolation Ihres Kindes von der Außenwelt und von Ihnen.
  • Wurde eine Depression diagnostiziert und Ihr Kind ist unerwartet fröhlich und positiv, so sollten Sie dies auch als Alarmzeichen deuten, denn eine Spontanheilung der depressiven Erkrankung ist sehr unwahrscheinlich, sodass Sie davon ausgehen sollten, dass Ihr Kind eine Erleichterung und Freude verspürt, weil es dem ganzen Kummer bald ein Ende setzen wird.

Jede neue depressive Phase kann zu einem neuen Selbstmordwunsch führen, wenn ihr Kind bereits einen Selbstmordversuch hinter sich hat.