Weibliche und männliche Depression? Eine Übersicht.

Weibliche und männliche Depression? Die Depression gilt als neue Volkskrankheit der Deutschen, auch der Männer. Immer mehr Menschen erkranken und sind unfähig, ihren alltäglichen Verpflichtungen nachzukommen. Zum Arzt gehen jedoch vor allem Frauen. Bedeutet dies, dass Männer dem seelischen Leiden gegenüber unempfindlich sind?

Weibliche und männliche Depression? Eine Übersicht.

Nein. Männer erkranken ebenso häufig wie Frauen. Vertreter des männlichen Geschlechts neigen jedoch weitaus stärker zu kompensierendem Verhalten als Frauen. Sie verlieren sich in der Arbeit, werden aggressiv oder geben sich dem Alkohol hin. Klassisch depressive Patienten hingegen zeigen typischerweise einen Rückzug. Aus diesem Grunde ist es schwer, eine Depression zu diagnostizieren, wenn vorwiegend untypische Symptome auftreten.

Warum entsteht die Depression?

Bei der Depression handelt es sich um eine psychische Erkrankung, die nur entstehen kann, wenn mehrere Faktoren wirken. Psychosoziale Faktoren bilden in der Regel die Basis der gängigen Erklärungsmodelle. Zusätzlich ist von einer genetischen Veranlagung auszugehen. Schwierige persönliche Lebensumstände, kritische Entwicklungsprozesse und starke Belastungen führen in Kombination mit einer genetischen Veranlagung überdurchschnittlich häufig zur Depression.

Im Gehirn der Betroffenen können typische Veränderungen nachgewiesen werden. Bestimmte Botenstoffe – Serotonin, Dopamin und Noradrenalin – sind im Gehirn depressiver Menschen wesentlich schwächer aktiv als im Gehirn Gesunder.

Welche Symptome kennzeichnen die Depression?

Entgegen einer landläufigen Annahme handelt es sich bei der Depression nicht um bloße Traurigkeit. Viele Depressive sind nicht mehr in der Lage, Gefühle zu empfinden. Sie werden stattdessen von einer inneren Leere, einem Gefühl der Gefühllosigkeit, gequält. Weiterhin ist die Erkrankung durch einen Mangel an Antrieb und Motivation gekennzeichnet. Die Betroffenen sind häufig nicht in der Lage, alltägliche Aufgaben zu erledigen. Das Verlassen des Bettes bedeutet für sie häufig einen Kraftakt.

Weitere Symptome einer Depression:

  • ständiges Grübeln
  • Schlafprobleme
  • starke Konzentrationsprobleme
  • Freudlosigkeit
  • ständige Müdigkeit und/oder schnelle Ermüdbarkeit
  • Interessenlosigkeit
  • Schuldgefühle, Selbstvorwürfe
  • innere Unruhe, Anspannung
  • Libidoverlust
  • Schwierigkeiten beim Treffen von Entscheidungen
  • pessimistische Zukunftssicht
  • Verzweiflung
  • Gefühle der Wertlosigkeit
  • Suizidgedanken

Die Diagnose der Depression wird im klinischen Alltag anhand der aufgeführten Symptome getroffen. Gerade beim Mann zeigen sich jedoch nur vereinzelt derartige Symptome.



Ein depressiver Mann neigt zumeist dazu, psychische Probleme verdrängen und kompensieren zu wollen. Die Beschäftigung mit den eigenen Problemen ist ihm in der Regel eher fremd. Aus diesem Grund zeigen depressive Männer eher Gereiztheit, Aggressivität und Ärger. Klassische Symptome der Depression sind ebenfalls vorhanden; sie werden jedoch von den anderen Symptomen überlagert und in der Regel erst im weiteren Verlauf der Erkrankung sichtbar. Weiterhin neigt ein depressiver Mann häufig dazu, auf Alkohol zurückzugreifen, um sich zu betäuben. Wird ein Arzt aufgesucht, geht die Initiative häufig von der Partnerin des Depressiven aus.

Auch das klassische Krankheitsbild ist möglich

Da jeder Mensch individuell verschieden ist, kann der Unterschied jedoch nicht auf die Geschlechter heruntergebrochen werden. In der Praxis ist zwar zu beobachten, dass das klassische Erkrankungsbild eher von Frauen gezeigt wird – dies schließt jedoch nicht aus, dass auch männliche Depressive die klassischen Symptome zeigen. Ebenso kann die als eher männlich angesehene Symptomatik auch bei Frauen auftreten.

Quelle: Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) des Robert-Koch-Instituts Der Hausarzt 2012; 49 (3): 47-49

Tipp: Haben Sie Fragen zum Thema Depressionen bei Männern?

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